11. Januar 2012

TYPO3 vs. Joomla

Auch wenn die Digitale Offensive auf TYPO3-Websites spezialisiert ist, werden wir immer wieder auch auf Joomla-Websites angesprochen. Wenn dann die Frage kommt, ob wir das auch machen, können wir nur mit einem klaren Jein antworten. Um es vorab zu sagen, Joomla ist nicht unser Steckenpferd. Einfach, weil wir in unserer Agenturzeit vielleicht eine Handvoll Websites mit Joomla umgesetzt haben. Aber darum geht es uns jetzt nicht. Uns geht es immer um die Frage, ist Joomla das richtige Content-Management-System für das angestrebte Projektziel? Dieser Artikel beleuchtet einmal grundsätzlich, was TYPO3 und Joomla eigentlich unterscheidet.

TYPO3 ist ein freies Content-Management-System. Es basiert auf der Scriptsprache PHP und verwendet eine MySQL Datenbank. Derzeit gibt es über 3500 verschiedene Extensions in Typo3, die alle erdenklichen Probleme abdecken. Vom Newsletter, kompletten Shop-System bis zum eigeständigen Forum mit TYPO3 ist alles möglich.

Joomla ist ebenso wie TYPO3 ein freies Content-Management-System (CMS). Entstanden ist es als Fortentwicklung aus dem Open-Source-Projekt Mambo, nachdem sich die Core-Entwickler nach Streitigkeiten aus dem Team verabschiedet haben um ein eigenes CMS zu entwickeln – Joomla. Ebenso wie TYPO3 wurde Joomla in PHP geschrieben unter der Verwendung einer MySQL Datenbank. Aufgrund seiner einfachen Bedienung ist Joomla zusammen mit Wordpress, TYPO3 und Drupal eines der beliebtesten und meistverbreiteten Content Management Systeme.

Die Vorteile von TYPO3

Hohe Funktionalität

Denn viele im geschäftskritischen Umfeld notwendigen Features sind bereits im TYPO3-Basispaket vorhanden und müssen nur noch aktiviert werden, während Joomla! mit einer Vielzahl von Erweiterungen erst auf diesen Funktionsumfang gebracht werden und danach noch zusätzlich angepasst werden muss.

Wartungsarme Pflege der Internetpräsenz

Die starke Trennung von Inhalten und Design führt zu einer Kostenreduzierung bei der Pflege der Webseite. Die bereits eingepflegten Inhalte können multimedial präsentiert werden.

Kein Bedarf an Fachpersonal für die Erstellung der Inhalte

Die einfach und intuitive Bedienung von TYPO3 erlaubt es auch Laien nach einer kurzen Einarbeitungszeit Inhalte und Dokumente selbständig zu pflegen. Jahrelange Programmierkenntnisse, Erfahrung in einer Programmiersprache werden dabei nicht benötigt. Durch die Verwendung eines WYSIWYG (What you see is what you get) Editors erfolgt die Pflege von Inhalten schnell und sicher. Fachpersonal für die Contentpflege wird somit nicht benötigt und reduziert die laufenden Kosten für das Projekt.

Fein anpassbare Rechtevergabe

Durch die sehr genau einstellbare Rechteverwaltung in TYPO3 ist es ohne Probleme mögliche einzelne Seiten, Bereiche oder Inhaltselemente nur für bestimmte Gruppen einzuschränken. Somit ist es theoretisch jeder Abteilung möglich inhaltlich an der Webpräsenz mitzuwirken.

Mehr Besucher durch Suchmaschinenoptimierung

Interne Extensions von TYPO3 wie Piwik sorgen für eine professionelle Auswertung der Besucher. Wer Google Analytics aus Datenschutzgründen nicht vertraut, bekommt mit Piwik eine eigenständige Ergänzung für TYPO3 die alle relevanten Informationen der Besucher lokal auf dem Server speichert.

Die Suchmaschinenoptimierung in TYPO3 ist wesentlich ausgereifter als die von Joomla. So lässt sich jede Seite einzeln mit Keywords und einer Description optimieren um Besucher auf die Seiten zu locken.

Die Vorteile von Joomla

Eine leichte Erstellung und Pflege von Webseiten

Nach einer kurzen Eingewöhnung ist es auch in Joomla möglich Inhalte zu erstellen und zu pflegen. Da die Rechteverwaltung in Joomla aber im Vergleich zu TYPO3 nicht so ausgereift ist, war es bis zur Version 1.6 immer nötig, die Inhalte vom Administrator einpflegen zu lassen. Weitere Benutzer konnte man nicht einrichten. Redaktionelle Arbeiten in Teams gestalten sich damit im Vergleich zu TYPO3 wesentlich schwerer.

Einfache Administration

Mehrere Hunderttausende Installationen von Joomla verdeutlichen die Beliebtheit und Zustimmung in der Community. Wahrscheinlich ist es mit Wordpress eines der verbreitetsten Content Management Systeme auf dem Markt. Die simple Administration und Verwaltung der Inhalte ist ein Vorteil von Joomla.

Die Nachteile von Joomla

Nicht multi-domain-fähig

Leider ist es mit Joomla nicht möglich unterschiedliche Webseiten oder Domains in einer Installation zu pflegen. Mittlerweile gibt es zwar schon Extension die diese Funktionalität bieten, das Kernproblem bleibt leider weiter bestehen. Das Multi-Domain-Handling wird zum Beispiel in TYPO3 wesentlich ausgereifter angeboten. Hier hat TYPO3 einen großen Pluspunkt gegenüber Joomla.

Fehlende Mehrsprachigkeit

Werden mehrere Sprachen für eine Webseite benötigt, so ist dieses mit Standard Installation von Joomla nicht möglich. Über eine externe Komponente (Joomlfish) ist es zwar möglich Dokumente und Inhalte in verschiedene Sprachen zu übersetzten. Leider ist dabei die Usabiltity (Benutzungsfreundlichkeit) und der Funktionsumfang nicht mit der Funktionalität von TYPO3 zu vergleichen. Bei alten Joomla Versionen war es sogar nötig den Core zu patchen um die Mehrsprachigkeit verfügbar zu machen. Dabei wurden aber auch andere Extensions deaktiviert oder waren einfach nicht mehr lauffähig.

Nicht W3C-konform

Bis zur Version 1.6 war eine barrierefreie in XHTML 1.0 validierte Webpräsenz mit Joomla nicht realisierbar. Viele Suchmaschinen vergeben ein positives Scoring, falls eine Webseite barrierefrei – sprich dass sie von Menschen mit einer Behinderung uneingeschränkt verwendet werden kann. XHTML Transitional 1.0 ist eine textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung und semantischen Auszeichnung von Inhalten wie Texten, Bildern, Links und Dokumenten. Dieser W3C-Standard wird von Suchmaschinen ebenfalls sehr gut bewertet, falls die Webseite dem W3C XHTML 1.0 Standard entspricht. Die XHTML Familie ist der nächste Schritt in der Weiterentwicklung des Internets. In dem Inhaltsentwickler heute auf XHTML umsteigen, können sie in die XML-Welt mit allen dazugehörigen Vorteilen einsteigen, während sie sich auf die Abwärts- wie auch die zukünftige Kompatibilität ihrer Inhalte verlassen können.

Wenig ausgebaute Rechteverwaltung

Dieser Aspekt ist bei Joomla ebenfalls noch unterentwickelt und nicht auf dem Stand von TYPO3. Mit Joomla ist eine Rechtevergabe für unterschiedliche User Gruppe auf einer Seite nicht durchführbar. So können in einem großen Reaktionssystem leider nicht wie in TYPO3 üblich komplexe Benutzergruppe und Rechteverwaltungen realisiert werden. Mit der Version 1.6 wurde zwar ein Rechtesystem implementiert, jedoch ist dieses nicht mit TYPO3 vergleichbar.

Kein Versionsmanagement

Ein Versionsmanagement ist für Joomla ebenfalls nicht verfügbar.

Joomla indiziert keine PDF und Word-Dokumente

Wie auch TYPO3 verfügt Joomla über eine eigenständige Suchmaschine, die erstellte Dokumente und Inhalte indiziert und über die Suchfunktion dem User zur Verfügung stellt, falls dieser Schlüsselwörter in die Suchmaske eingibt. Leider durchsucht Joomla dabei keine PDF oder Word-Dokumente.

Die Nachteile von TYPO3

Die riesige Funktionalität von TYPO3 ist nach 10 Jahren Entwicklung schwer zu verstehen. Die sehr komplexen Möglichkeiten von tausenden Extensions und die eigene Scriptsprache TypoScript fordern gute bis sehr gute Erfahrungen in diesem Bereich. Ein Laie ist oft schon nach wenigen Minuten mit den komplexen Fähigkeiten des Systems überfordert. Um ein gefordertes Layout umzusetzen, benötigt man ebenfalls Kenntnisse in der Scriptsprache TypoScript. Ohne vorherige Erfahrungen in der objektorientierten Programmierung ist dies alles andere als einfach. Sprich es ist auf jeden Fall ein guter bis sehr guter Programmierer nötig um komplexe TYPO3-Webseiten für Kunden umzusetzen.

Fazit: TYPO3 vs. Joomla

Joomla ist ein gutes, stabiles und perfomantes Content-Management-System. Die Vorteile sind eine einfache Bedienung gepaart mit einer leicht verständlichen Benutzeroberfläche. Jedoch gibt es einige Einschränkungen die bereits oben erwähnt werden: Die Mehrsprachigkeit fehlt, Multi-Domain-Handling fehlt und das Rechtemanagement ist unzureichend. Für Vereine und Privatpersonen ist Joomla unter Umständen eine gute Wahl. Wenn der Fokus aber auf einer barrierefreien, suchaschinenoptimierten Multi-Domain-Lösung, mit einem speziellen Rechtemanagement und eventueller Mehrsprachigkeit liegt, ist man mit TYPO3 sicherlich besser bedient.

Weitere Informationen zur TYPO3…

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